Gletschergarten, Luzern

  • 2022
  • Bauökonomie
  • Kultur, Museum
  • Neubau
  • Baumanagement

Der Gletschergarten liegt am Fusse eines grossen Sandsteinfelsens am Wesemlinhügel im Norden der Stadt Luzern. Die Entstehung des Sandsteins geht auf einen Meeresstrand zurück, der vor 20 Millionen Jahren die damals tropische Gegend von Luzern prägte. Seit dem Mittelalter wurde der Fels als Steinbruch genutzt und Anfang des 19. Jahrhunderts vom Bildhauer Thorvaldsen für das weltbekannte Löwendenkmal künstlerisch bearbeitet. Nach der Freilegung der 1872 zufällig entdeckten Gletschertöpfe entwickelte sich der Gletschergarten bis zur Jahrhundertwende rasch zu einer Attraktion in der vom Tourismus geprägten Region um den Vierwaldstättersee.

Faszinierende Welt im Fels

Kurz vor dem 150-jährigen Jubiläum des Gletschergartens (gegründet im Jahr 1873) wurde die Parkanlage als grossflächiger Landschaftsgarten neu gefasst und die zusammenhängenden Bereiche inhaltlich neu gegliedert. Das Projekt des Architekturbüros Miller & Maranta klärt durch den Rückbau der Anbauten die Situation des Schweizerhauses. Durch die Einbeziehung der Sommerau konnte die Fläche des Parks zudem erweitert werden.

Die Eingriffe im Gletschergarten sind vom naturwissenschaftlichen Eifer des 19. Jahrhunderts inspiriert. Die romantische Neugier, mit der man damals die Natur erforschte und selbst rätselhafte Phänomene zu durchdringen versuchte, soll auch die Besucher auf ihrer Reise durch den Gletschergarten begleiten.

Über das Zugangsportal betritt man eine faszinierende, in den Fels eingebettete Welt. Der Weg führt über den Felsengang hinab in die Tiefe zum Bergsee. Die starke räumliche Wirkung wird durch das Material Stein sowie durch elementare Erfahrungen von Licht und Dunkelheit, Enge und Weite, Klang und Stille geprägt. Teilweise grossformatige und teils interaktive Videoprojektionen zeigen auf lebendige und zugleich reduzierte Weise Urtiere und Urformen, die sich aus sandförmigen Partikeln formen und wieder verrieseln. Über die Treppe im Gartenhof gelangt man ins Freie, auf die Sommerau. Die Besucher kehren nach der intensiven Erfahrung der „Unterwelt“ zurück an die von Menschen gestaltete Oberfläche. Die hier sichtbare, markante und schiefe Faltung des Felsens inspirierte zur architektonischen Gestaltung des Eingangs zur Felsenwelt sowie des Ausgangs auf der Sommerau.

Die neuen Museumsräume, darunter der Pavillon für Wechselausstellungen, wurden im nördlichen Teil der Anlage als künstliche Erweiterung des Berges errichtet. Das beim Bau verwendete Betonmaterial stammt aus dem vor Ort gewonnenen Ausbruchmaterial. Die äußere Betonschale folgt einer geometrisch reduzierten Form und orientiert sich nicht an der klassischen Bauweise eines Hauses. Wie bei einem natürlichen Felsen fließt Wasser über die Außenhaut. Das Innere des Gebäudes wurde als eigenständige Struktur in das Volumen eingebaut und ist von der Betonschale gelöst.

 

Fakten

  • Standort Denkmalstrasse 4a, 6006 Luzern
  • Leistungen Baumanagement, Bauökonomie
  • Status Realisiert
  • Auftragsart Direktauftrag
  • Bauherrschaft Stiftung Gletschergarten, Luzern
  • Statik Conzett Bronzini Partner AG
  • Architektur Miller & Maranta
  • Landschaftsarchitektur Müller Illien
  • Kosten BKP 1-9 CHF 20 Mio.